Patanjali & me: Was ist Sukha?

Namasté!

Bei Patanjali & me werd ich ab und zu ein Yogasutra nach den klassischen Kommentaren erklären und meinen persönlichen Zugang dazu mit euch teilen. Den Anfang macht ein Artikel über Sukha, weil wir uns damit in den Yogastunden oft beschäftigen.

Sukha oder Die Kunst der Leichtigkeit

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Die Haltung soll stabil und angenehm sein, heißt es in Patanjali’s Yogasutra II.46:

sthira-sukham āsanam.

  • Sthira bedeutet stabil, starr, fest, dauerhaft, hart.
  • Sukha heißt leicht, angenehm, bequem, behaglich.

Nach Patanjali müssen in einem Asana beide Qualitäten vorhanden sein. Mit Asana meint Patanjali in den Sutras die meditative Sitzhaltung – dieses Prinzip lässt sich aber auf alle Asanas und meiner Ansicht nach auf alle Lebensbereiche übertragen.

Stabilität und Leichtigkeit in Balance

Damit es uns gut geht, ist die Balance zwischen den beiden Polen notwendig. Mit Balance ist aber nicht das Mittelmaß gemeint, vielmehr soll in jedem Moment die richtige Eigenschaft vorhanden sein. In der Asanapraxis bedeutet das, dass je nach der Art der Bewegung und der individuellen körperlichen Situation und Stimmung vielleicht eines der beiden im Vordergrund steht.

Leichtigkeit kann sich normalerweise erst dann einstellen, wenn eine gewisse Stabilität vorhanden ist. Umgekehrt kann Loslassen notwendig sein, damit man die eigene Kraft spüren und nutzen kann.

Sthira und Sukha im Alltag

Im Alltag kommt Sukha oft ein bisschen zu kurz. Stress und Überforderung lösen in uns Kampf-, Flucht- oder Erstarrensreaktionen aus. Egal, woraus dieser Stress entsteht – er mag in der Arbeitswelt, in der Beziehung zu einem geliebten Menschen oder in ständigen Selbstzweifeln bestehen – und egal, welche der drei Reaktionen eintritt: die Anspannung im Bewegungsapparat steigt an. Normalerweise benötigen wir im Alltagsstress keinen Energieschub, um tatsächlich wegzurennen oder den Kampf anzutreten. Meistens reagieren wir uns dann nicht zeitnah ab und der Körper verbleibt in Anspannung. Vielleicht kommt sogar immer etwas mehr dazu, wenn wir an die Stresssituation denken. Da Stress außerdem die Immunabwehr und die Fähigkeit des Organismus, sich zu regenerieren, senkt, kann ein Teufelskreis entstehen.

Wenn im Bewegungsapparat Schwachstellen entstehen, z.B. durch muskuläre Dysbalancen oder Haltungsgewohnheiten, erhöht der Körper die Anspannung in bestimmten Bereichen, um dies zu kompensieren. Verspannungen und Schmerzen sind oft die Folge.

Auch bei Menschen, die unter sehr viel emotionalem Ballast oder Überforderung leiden, ist oft Sthira überbetont: Beim Gefühl, überhaupt keine Kraft mehr zu haben, handelt es sich um Schwere und Starrheit.

Leichtigkeit kann also auf ganz unterschiedlichen Ebenen fehlen.  Das Kultivieren von Sukha allein ist aber, wie gesagt, auch keine Lösung. Wir brauchen eine gewisse Kraft und Stabilität, um das Leben als Homo Sapiens zu meistern. Außerdem brauchen wir die Stabilität, damit wir gelöst und leicht sein können.

Bewegung und Atmung als Lösung

Bewegung spielt beim Lösen unnötiger Ansoannungen eine wichtige Rolle. Die Asanapraxis eignet sich besonders zur Herbeiführung einer Balance zwischen Kraft und Leichtigkeit: Durch die Übungen wird der Körper, insbesondere auch die Halte- und Stützmuskulatur gestärkt, was muskulären Dysbalancen und Verspannungen durch Kompensation entgegenwirkt. Durch die Dehnung und Mobilisierung werden Anspannungen gelöst. Durch das bewusste Bewegen in Verbindung mit der Atmung wird auch auf der psychischen Ebene Entspannung und Loslassen gelernt. Mit seiner Anleitung beschreibt Patanjali also nicht nur die richtige Ausführung eines Asana, sondern zugleich auch eine der wichtigsten Wirkungen.

In meinen Yogastunden lege ich viel Wert auf die individuelle Balance zwischen Sthira und Sukha. In der Asanapraxis bilden wir körperliche und geistige Kraft als Basis für Leichtigkeit und üben ganz gezielt das Loslassen von unnötigen Anspannungen.

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Jeden Dienstag Abend unterrichte ich eine Yogastunde im 8. Bezirk.